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Erinnerungen an Kinderbücher beim Seniorennachmittag der Christuskirche

B. Oberacker präsentiert 'Struwwelpeter', 'Rulaman', 'Pippi Langstrumpf' u.a.

17.6.2014 - Christuskirche

 

Am ersten Juni-Donnerstag begrüßte Pfarrer i. R. Ulrich Lauterbach die anwesenden Gäste, die Musikanten, die Referentin des Nachmittags und ganz besonders herzlich Paula (11) und Carla (9), die nach dem Kaffeetrinken zum Einsatz kommen sollten.

Eckhart Naumann am Klavier und Margarete Fässler mit der Violine begleiteten das Eingangslied „Nun bitten wir den Hl. Geist“. Ulrich Lauterbach begann seine Betrachtung über Pfingsten mit der Frage: Weißt du noch, damals...? Erinnerungen und Vergangenheit werden lebendig, auch nicht Gelungenes gehört zu jeder Biographie. An Pfingsten geht es um Gottes Geist, das rechte Erinnern und auch darum, vergessen zu können. Er erzählte die Geschichte von der Pfingsttaube, die sich in einer Gemeinde auf Sizilien zugetragen hatte. Der alte Pfarrer dort ließ an jedem Pfingstfest eine Taube hinter dem Altar aufflattern, derjenige, auf den sich die Taube niederließ, hatte im kommenden Jahr eine besondere Erleuchtung zu erwarten. Es gab reichlich Beispiele für gelungene „Pfingstwunder“. Der neue Pfarrer hielt nichts von dergleichen und wollte die Gemeinde eines besseren belehren, indem er alle Fenster und Türen weit geöffnet ließ, damit die Taube ins Freie flog. Die jedoch drehte einige Runden in der Kirche und ließ sich zur großen Freude der Gemeinde auf der Schulter des Pfarrers nieder.
Ein weiteres gemeinsam gesungenes Lied „O Heil’ger Geist kehr bei uns ein“ leitete über zu Kaffee, Zopf und Brezeln. Mit einem Geburtstagslied („Die beste Zeit im Jahr ist mein“) ging es weiter im Programm. Paula spielte am Klavier und las zuvor den Text von „Das Vögelchen“, und Carla erfreute mit dem Klavierstück „Dr. Faust´s Jux mit schwarzen Tasten“. Sie wurden mit großem Beifall belohnt.

Barbara Oberacker begann danach ihre Überlegungen und Betrachtungen mit Martin Luther. Dank seiner Bibelübersetzung in die deutsche Sprache wurde erst durch die Bibel, den Katechismus, die Spruchbüchern und Lieder das Lesen fürs allgemeine Volk zur Selbstverständlichkeit. Sie las aus dem allseits bekannten „Struwwelpeter“ von Dr. H. Hofmann und aus Wilhelm Buschs “Max und Moritz“ den Streich an Lehrer Lämpel mit dem explodierenden Pfeifenkopf. Weiter berichtete B. Oberacker über das Leben von Johanna Spyri, die über 100 Bücher geschrieben hat. Als um 1950 wieder die ersten Kinderbücher gedruckt wurden, wurde „Heidi“ das bekannteste. Sie las uns die anrührende Szene vor, in der Heidi den Kontakt zu ihrem Großvater aufnimmt und ihren neuen Lebensraum erkundet. Weiter ging es mit Erinnerungen an die Schulausflüge in jener Zeit. Diese führten oft in die Höhlen der Schwäbischen Alb. Man las „Rulaman“ und „die Höhlenkinder“, Bücher mit Heimatbezug, dadurch waren schwäbische Kinder Experten in Sachen Steinzeit! Der größte deutsche Kinderbuchautor Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und arbeitet als Journalist in Berlin. Dort schrieb er „Das doppelte Lottchen“, „Emil und die Detektive“ und viele andere. Die Nazis verbrannten seine Bücher und er verbrachte den Rest seines Lebens in München. Als Leseprobe hörten wir aus dem „doppelten Lottchen“ die Szene beim Kinderheim in Seebühl am Bühlsee, als sich bei der Ankunft der neuen 20 Mädchen Luise und Lotte das erste Mal begegnen. Nach dem gemeinsam gesungenen Loreley-Lied folgte Kästners Gedicht “der Handstand auf der Loreley“. Die weltweit bekannteste Kinderbuch-autorin ist Astrid Lindgren. Die gewaltfreie Kindererziehung geht auf ihre Bücher zurück. Ihre Biographie und ihr Wirken betrachtete B. Oberacker ganz besonders. Wer kennt nicht „Pippi Langstrumpf“, „Michel als Lönneberga“ oder „Ronja Räubertochter“. Beispielhaft rezitierte sie aus dem Brief Astrid Lindgrens an ihren Sohn („Mein Sohn liegt in meinem Arm“), der sehr anrührend deren Gefühle schildert.
Aufgelockert wurden Barbara Oberackers Erzählungen durch kleine musikalische Intermezzi der beiden Musiker E. Naumann und M. Fässler.
Leider ließ die fortgeschrittene Zeit eine weitere Vertiefung der Ausführungen B. Oberacker`s nicht mehr zu, aber vielleicht gibt es ja mal eine Fortsetzung dieser interessanten Geschichten und Darstellungen. Dies brachte auch Pfarrer i. R. Ulrich Lauterbach bei seinen abschließenden Dankesworten zum Ausdruck. Großer Beifall galt allen Akteuren des Nachmittags.
Abschließend gab es noch einige Hinweise auf Veranstaltungen der Christuskirche in den kommenden Wochen und vor allem auf das Senioren-Sommerfest am Donnerstag, 24. Juli, zu dem alle interessierten Mitglieder der Eislinger Nachbar(kirchen)gemeinden herzlich eingeladen sind.

Alice Estler

Barbara Oberacker bei den Senioren der Christuskirche