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„Innere Stadt 2030“ - eine gute Diskussionsgrundlage

„Roter Treff“ diskutiert Zukunftsplanungen mit Baudezernent Thomas Schuster

20.11.2006 - Harald Kraus

 

Die Eislinger SPD findet, dass die von der Stadtverwaltung vorgelegte städtebauliche Rahmenplanung „Innere Stadt 2030“ eine gute Grundlage für eine rege Diskussion in der Bürgerschaft darstellt. Dies war das Ergebnis einer Diskussion, die auf einen Vortrag des Technischen Beigeordneten Thomas Schuster beim „Roten Treff“ am Donnerstagabend im „Grünen Baum“ folgte. Es wurde als notwendig und richtig bezeichnet, dass ein langfristiges Konzept zur Entwicklung einer „neuen Mitte“ in Eislingen aufgelegt worden sei, das vor allem das trennende Element des Überführungsbauwerks über Bahn und Fils durch eine neue Unterführung ersetzen wolle. „Auf diese Weise können wir dem Ziel, die Innenstadt attraktiver zu machen, ein großes Stück näher kommen“, sagte Schuster.

Anhand einer Planskizze erläuterte der Beigeordnete die bisherigen Vorstellungen der Stadtverwaltung und begründete sie mit zahlreichen Argumenten. Im Wettbewerb der Filstalgemeinden dürfe Eislingen nicht nachlassen, seine städtebauliche Attraktivität zu erhöhen. „Wir wollen eine attraktive innere Stadt entwickeln und wir müssen zu mehr Aufenthaltsqualität kommen“, erläuterte Thomas Schuster die im Gemeinderat diskutierte Konzeption, die als Zeitrahmen das Jahr 2030 anpeilt und im Kern zum Gegenstand hat, das jetzige Überführungsbauwerk über Bahn und Fils durch eine Unterführung abzulösen.

„Diese Überlegung bietet sich schon deshalb an, weil die Unterhalts- und Sanierungskosten für die gegenwärtige Überführung im Laufe der nächsten Jahre stark ansteigen werden“, sagte Schuster voraus und bezifferte die jetzt unabdingbaren ersten Sanierungsschritte für zwei der vier Fahrbahnen auf schätzungsweise jeweils 550.000 Euro. „Diesen Aufwand können wir guten Gewissens nicht über viele Jahre fortsetzen. Da rechnet sich letztlich langfristig der Neubau einer Unterführung. Zwar fehlt es dafür gegenwärtig an finanziellen Mitteln, doch ist eine Planung, die weit über den Tag hinaus reicht, im Interesse der Stadt verantwortbar und auch notwendig“, betonte der Technische Beigeordnete.

Es sei unbestritten, so Schuster, dass aus heutiger Sicht die Brücke über Bahn und Fils, die in den 70er Jahren gebaut worden ist, als „städtebauliche Hypothek“ gilt, deren Wunden in der nächsten Generation unbedingt wieder geheilt werden müssten. „Wir sind auf dem richtigen Weg, denn die Kreisverkehre und der Ausbau der Hauptstraße waren schon ein richtiger Quantensprung und ein städtebaulicher Gewinn“, resümierte Schuster die jüngste städtebauliche Entwicklung. Deshalb müsse diese Politik in der Südstadt und in dem Bereich zwischen Hirschkreuzung und Place d’ Oyonnax gezielt fortgesetzt und Schritt für Schritt hin zu einer neuen und attraktiven Mitte für Eislingen umgesetzt werden.

Die vorgelegte Rahmenplanung sehe vor, die Nord-Süd-Achse auf die historische Trasse mit einer Straße, die jeweils eine Fahrspur pro Richtung hat, zurück zu verlegen. Hierzu würde die Bahnlinie mit einem kleinen Unterführungsbauwerk unterquert. Die nach Abriss der heutigen Überführung gewonnenen Flächen sollten für attraktive Neubauten bzw. Grünflächen eingesetzt werden. Schließlich könne mit dem Schloss und in Verbindung mit dem geplanten neuen Rathaus sowie weiteren Neubauten eine für Eislingen ganz neue, bisher nicht vorhandene städtebauliche Prägung erreicht werden.

Die Rahmenplanung der Stadt sieht auch eine Neugestaltung des Geländes rund um die Lutherkirche vor, die in Angriff genommen werden könne, wenn die B 10 alt rückgebaut sei, berichtete Schuster. Dort bestünde die Chance, attraktive und innenstadtnahe Wohnungen und Geschäfte anzubieten und somit eine weitere Klammer zwischen den historisch getrennten Stadtbezirken herzustellen.

Etwaige Bedenken, dass eine Reduzierung der Fahrspuren zwischen der Hirschkreuzung und dem Place d’Oyonnax zu einem Verkehrskollaps führen könne, entkräftete Schuster mit dem Argument, dass die West- und Osttangente - der Bau letzterer ist abzusehen - umfangreich bisherigen Verkehr absorbieren könnten und die Chance böten, entsprechende Anschlüsse von Osten her für die Gewerbebetriebe, wie Holz-Koch und Zeller & Gmelin zu schaffen und somit den Innenstadtbereich insbesondere vom Schwerverkehr zu entlasten. Auch ein Durchstich der Schillerstraße, so SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Ritz, könnte den Schwerlastverkehr zur Firma Scheller aus der Innenstadt heraushalten. Schuster schätzt, dass die neue Unterführung täglich noch von cirka 12 – 14 Tausend Fahrzeugen befahren werden würde, was eine Reduzierung der Fahrbahnen ermögliche.

Die angedachte Unterführung soll eine Durchfahrtshöhe von 3,70 bis 4 Meter erhalten, sodass der Busverkehr problemlos passieren könnte, erläuterte Schuster weitere Details der gemachten Überlegungen. Die Zufahrtsrampen in den Unterführungstrog müssten voraussichtlich eine Steigung bzw. ein Gefälle von ca. 9 – 10 Prozent erhalten, was ohne weiteres machbar und vertretbar sei. Schuster illustrierte die Rahmenplanung mit dem weiteren Gedanken, vor dem Schloss zum Beispiel einen Renaissance-Garten anzulegen und damit dem historischen Bauwerk den ihm gebührenden Stellenwert zu geben.

„Alles in allem erfordert die Rahmenplanung von Stadt und Gemeinderat in den nächsten Jahren den Mut zu zukunftsgerichteten Entscheidungen, die die Aufenthaltsqualität und die Attraktivität unserer Stadt erhöhen“, fasste Schuster seine Überlegungen zusammen. Er erntete dafür viel Beifall und Zustimmung, sei doch damit, so die Stadträtin Dr. Heide Kottmann, eine realistische Vision von der zukünftigen Entwicklung Eislingens erstellt worden. Die Sozialdemokraten waren sich mit Baudezernent Schuster einig, dass jetzt die Weichen für eine städtebauliche Zukunft Eislingens richtig gestellt werden müssen, damit das Konzept Zug um Zug in die Realität umgesetzt werden könne.

Eine alternative neue Trasse, die hinter dem Schloss vorbeiführen würde, bezeichnete Stadträtin Angela Schirling als nicht überzeugend, da dann sowohl die Sanierungsprobleme weiterbestehen als auch neue Verkehrsprobleme entstehen würden. Peter Ritz begrüßte die Gedanken zur städtebaulichen Einbeziehung des Haug-Areals, trat aber dafür ein, dass dort künftig neben einem Restaurant und einem Hotel auch ein Museum seinen Platz finden könnte, in dem Exponate, die zur Zeit in der Saurierausstellung zu sehen sind, dauerhaft ausgestellt werden sollten . Der SPD-Ortsvorsitzende, Stadtrat Hartmut Komm, kündigte an, dass sich der SPD-Ortsverein intensiv mit der Planung beschäftigen und sie konstruktiv begleiten wolle.

 

 

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