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Tanz der Mevlevi-Derwische in der Stadthalle

Türkischer Kulturverein präsentiert einen kulturellen Höhepunkt

20.3.2007 - Yüksel Özer

Anlässlich des UNESCO-Gedenkjahres für den türkischen Mystiker Mevlana Celaleddin Rumi präsentiert der Türkische Kulturverein Eislingen e. V. in der Stadthalle am Sonntag, 1. April 2007, einen kulturellen Leckerbissen allererster Güte. Er will damit an die Philosophie Mevlanas erinnern und „dessen Liebe und Toleranz gegenüber seinen Mitmenschen als gutes Beispiel hervorheben“. Die „drehenden Derwische“ aus Konya in Zentral-anatolien kommen zu einem Livetanz nach Eislingen. Der „Sama“ des Mevlevi-Ordens ist von der UNESCO in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen worden. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen.

Die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation, hat 2007 zum Gedenkjahr an den islamischen Mystiker Mevlana Celaleddin Rumi erklärt, der in der zentralanatolischen Stadt Konya lebte und lehrte und vor 733 Jahren starb.

Seine philosophischen Gedanken sind als wunderschöne poetische Verse in zahlreichen Schriftsammlungen bis heute erhalten. Sie sind für viele Menschen, nicht nur muslimischen Glaubens, von besonderer Bedeutung.

Zentrales Thema von Mevlanas Lehre ist die Liebe Gottes, die er als hauptsächliche Kraft des Universums, das nur durch sie überhaupt existiere, betrachtete. Wenn die Menschen lernten, Gott zu lieben, würde sich auch alles lieben, was er erschaffen hat, die Mitmenschen, die Natur und alle Dinge. Dazu schrieb Mevlana wörtlich: „Für die Liebenden Gottes ist Gott allein die Quelle von Leid und Freude. Er ist der Lohn ihrer Arbeit und wirklicher Reichtum.“

Der Todestag Mevlanas am 17. Dezember wird – ins Deutsche übersetzt – als Brautnacht oder Hochzeitsnacht gefeiert. Zu seiner Beerdigung kamen unzählige Anhänger und Vertreter anderer Religionen, auch Christen und Juden. Sie sollen weinend aus dem alten und neuen Testament rezitiert und den Charakter Mevlanas als mit Moses und Jesus ebenbürtig beschrieben haben.

Das zu Ehren des Mystikers erbaute Mausoleum, die „Grüne Kuppel“ im Rosengarten des Seldschukenpalastes, wo Melvana Celaleddin Rumis seine letzte Ruhestätte fand, ist zum Wahrzeichen der Stadt Konya geworden. 1,5 Millionen Besucher pilgerten im letzten Jahr zu seinem Grab, darunter 200.000 Ausländer, um dort Bittgebete, sogenannte „Dua“, zu sprechen. Neben ihm wurden Dutzende seiner Weggefährten und hochgestellte Mevlevi-Derwische beigesetzt.

Mevlana Celaleddin Rumi, der nicht nur in der Türkei und im Iran sehr verehrt wird, wurde im heutigen Afghanistan geboren und gelangte im Zuge der Mongoleninvasion mit seiner Familie nach Konya, der damaligen Hauptstadt der Rum-Seldschuken unter dem mächtigen Sultan Alaaddin Keykubat. In Folge einer Begegnung mit dem Wandererderwisch Täbrisi gelangte Mevlana Cellaleddin Rumi auf den mystischen Weg.

Heute existieren in vielen Ländern, auch in Deutschland, kleine Gruppen, die sich mit der Gedankenwelt Mevlanas beschäftigen und die mystischen Praktiken fortführen. Das Ritual des Sema, des mystischen Tanzes der sich drehenden Mevlevi-Derwische, entstand allerdings erst nach seinem Tode.

Die Anhänger des Melevi-Ordens werden „Die drehenden Derwische“ genannt. Oberflächlich gesehen, geht es bei ihrem Tanz darum, durch kreisende Bewegungen in Ekstase zu geraten. Er scheint einem Ballett sehr ähnlich, tatsächlich geht es aber um eine Form des Gebets, in der man sich der Welt komplett verschließt, um Gott näher zu kommen.

Am Anfang des Tanzes steht der Sheikh auf einem roten Fell, das den Mittelpunkt der Welt darstellt. Die Tänzer tragen einen schwarzen Umhang über dem weißen Gewand. Der Umhang symbolisiert das Grab und der Hut den Grabstein. Nach der Segnung durch den Sheikh und somit der Auferstehung aus dem Grab legen sie das Grabtuch ab und beginnen sich zum Klang der Rohrflöte zu drehen. Die rechte Handfläche zeigt nach oben, um den Segen Gottes zu empfangen, die linke nach unten, um den Segen in dieser Welt zu verteilen.

Die Bezeichnung „Mevlevi“ leitet sich nicht, wie es nahe liegt, vom Namen des Mystikers Mevlana ab, stammt aber von ihm. Er soll „Biz Mevleviyiz“ gesagt haben, was zu deutsch bedeutet: „Wir sind die, die zu Gott gehören“. Erst im Laufe späterer Jahrzehnte bürgerte sich die Bezeichnung „Mevlevi“ für den gegründeten Orden ein. Dieser verbreitete sich sehr schnell über die Grenzen Anatoliens hinaus.

Als am 2. September 1925 der Gründer der Türkischen Republik, Atatürk, mit bürgerlichem Namen Kemal Pascha, sämtliche religiöse Aktivitäten verbot, wurden davon auch die Rituale der Mevlevi-Derwische betroffen. Seit 1954 darf aber anlässlich des Jahrestages von Mevlanas Tod der Sama, der Tanz der Derwische, wieder vollzogen werden.


Sonntag, 1. April 2007, 17 Uhr (Einlass ab 16 Uhr)
Eislingen/Fils, Stadthalle, Kronensaal


Eintritt:
im Vorverkauf € 20,00, an der Abendkasse € 25,--
Vorverkaufsstellen:
iPunkt im Rathaus Göppingen, Tel. 07161/650292
Bücherei im Schloß, Eislingen, Tel. 07161/804275
Einkaufs-Center Beuttenmüller, Im Bahnhof, 07161/82867
Türk. Kulturverein Eislingen, Tel. 01792301772

 

 

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