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'Ich bin eine Zeichnerin'

Roxana Oszkiel im Marstall - Vernissage mit Roland Schmitt

22.11.2007 - Ritz Peter

 

Am vergangenen Sonntag füllte sich der Marstall mit einem erlesenen Publikum, denn ... aber lesen Sie selbst, was Roland Schmitt, Eislinger Künstler und Kunsterzieher am Erich Kästner Gymnasium dazu sagte:

'Sehr verehrte Gäste, liebe Freunde der Künstlerin,

normalerweise geht man in ein Museum oder eine Galerie, wenn man Kunst sehen möchte und nicht in eine Kneipe, wo es habhafter zugeht, wo man etwas trinken oder essen kann, wo man sich unterhält oder Leute trifft. Doch so ganz ungewöhnlich ist es nicht, hier in diesen Räumen auf Kunst zu stoßen, da das Marstall Kulturzentrum schon auf eine ganze Reihe von Ausstellungen (und auch Musikveranstaltungen) zurückblicken kann.
Roxana Oszkiel ist möglicherweise einigen von Ihnen auf eine ganz andere Art bekannt, arbeitet sie doch hauptberuflich als Zahnärztin, wo sie, wie sie selbst meint, jeden Tag bildhauerisch tätig sein kann.
Ich habe im übrigen auch eine kleine Skulptur von ihr in einem Zahn.
Aber es scheint jedoch, dass sie diese zahnärztliche Tätigkeit nicht ganz ausfüllt und so nimmt sie seit mehreren Jahren an Kunstkursen der Kunstakademie Esslingen teil, vielleicht ist es aber auch das künstlerische Talent, das sie von ihrem Großvater, einem begnadeten Zeichner, geerbt hat und das sie im Grunde ihres Herzens pflegen und ausbauen möchte.
„Ich bin eine Zeichnerin..“, lautet die Ausstellung und so sagt Roxana Oszkiel: „..die Linie ist mir wichtig!“
Eine Linie, die Verbindung zweier Punkte, im Gegensatz zu einem schnell hingewischten Strich, eine Linie gibt es eigentlich gar nicht in der Natur, sie ist eine Erfindung der Zeichner.
Eine Linie wird gesetzt, wo sich zwei Flächen oder Formen durch ihre unterschiedliche Helligkeit abgrenzen. Und gerade diese Eigenheit einer Zeichnung, das Verwenden von Linien, dick, dünn, gerade, eckig, rund, gestrichelt oder wellig verleiht der Zeichnung ihre Qualität.
Die hier ausgestellten Arbeiten der Künstlerin sind überwiegend Aktstudien, die vor dem Modell entstanden sind.
So die Zeichnungen auf Transparentpapier, Verhüllungen, schemenhaft wird der menschliche Körper mit der Konturlinie erfasst um gleich wieder verdeckt zu werden, übereinandergelegte Papiere, gleichsam verschiedenen Ebenen des Sichtbaren, überlagern sich und ergeben fast räumlich erscheinende Körpersituationen.
Schnelle abwechselnde Körperhaltungen des Modells zwingen die Zeichnerin zum schnellen Erfassen der menschlichen Figur und zu einer raschen Abfolge von Linien, kein langsames und genaues Studieren von Muskeln und Anatomie, dadurch bekommen die Zeichnungen eine Leichtigkeit und wirken wie Skizzen.
Nicht nur die Linie ist der Zeichnerin Handwerk, sondern auch die mit der Tusche gesetzte Fläche.
Silhouetthaft, vom Fleck entwickelt, erkennt man auf weiteren Bildern sitzende und stehende menschliche Figuren.
Für eine erfolgreiche zahnärztliche Tätigkeit ist eine ruhige Hand und Präzision erforderlich, für das Zeichnen Genauigkeit des Sehens, es hat den Anschein, als ob Roxana Oszkiel mit ihrer künstlerischen Tätigkeit einen hervorragenden Ausgleich und eine phantastische Ergänzung zu den Anforderungen ihres Berufes gefunden hat.
Wenn nicht sogar manchmal, so könnte ich mir vorstellen, der Blick in einen geöffneten Mund mit der Reihe unterschiedlicher Zahnskulpturen und Formen für die Künstlerin ein Blick auf/in eine Zeichnung ist und sie dann lieber einen Stift als den Bohrer in ihrer Hand halten würde.
An der Rückwand befinden sich noch zwei Werke, wo sich die Linie materalisiert hat, quasi Skulptur geworden ist. Zusammengeknotete Schnürsenkel, an einem Draht befestigt, verlassen die Wandfläche und ragen in den Raum, während das Licht eine virtuelle Zeichnung an die Wand projiziert.
Eine experimentelle Arbeit, die in eine andere, vielleicht neue Richtung des Schaffens von Roxana Oszkiel weist. Man darf gespannt sein, was sie in den nächsten Jahren an Kunstwerken hervorbringen wird.
Ich wünsche der Ausstellung ihre würdige Beachtung und es wird sicher den einen oder anderen Gast an der Theke geben, der sich einmal umdreht und nicht nur den anwesenden Personen nachschaut, sondern sich die Bilder an der Wand betrachtet.
Roland Schmitt (Kunstpädagoge)

 

 

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