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Abschied von Rainer Weiler
Trauerrede von Schulleiter Gerd Fischer
14.5.2009 - Bruno Mörixbauer
Mit großer Trauer und innerer Anteilnahme nimmt die Dr-Engel-Realschule Abschied von ihrem langjährigen Schulleiter Rainer Weiler. 23 Jahre lang hat er die Dr.-Engel-Realschule geleitet, den Geist der Schule geprägt. Er hat sie souverän geführt, mit Menschlichkeit und klarer Vorstellung von Erziehung, Bildung und schulischem Leben.
Seit 1956 war er an der Schule als Lehrer tätig. Generationen von Schülern hat er in Englisch, Geschichte, Gemeinschaftskunde und Deutsch unterrichtet. Die Erziehung zu Toleranz, zu bürgerlichem Engagement und einem guten sozialen Verhalten war ihm sehr wichtig. Bei vielen Jugendlichen hat er im Schullandheim in Südtirol die Liebe zur Bergwelt geweckt. Er hat seinen Schülern eine fundierte und gute Fachlichkeit vermittelt. Viele seiner ehemaligen Schüler sind heute in leitenden Stellungen in Verwaltungen, Industriebetrieben und anderen Einrichtungen. Er sprach oft voll Stolz von ihnen.
Als Erzieher hat er vielen seiner Schülerinnern und Schülern den Weg ins Leben geöffnet. Erst kürzlich sagte bei gegenem Anlass ein ehemaliger Schüler und Eislinger Persönlichkeit: „Rainer hat mich ganz bewusst zu einem Beruf geführt, in dem ich meine Erfüllung gefunden habe. Hierfür bin ich ihm sehr, sehr dankbar“. Kann es eine schönere Anerkennung von einem ehemaliger Schüler geben?
Bei Problemen und Schwierigkeiten mit Schülern war bei Entscheidungen immer das Kind, die jeweilige Familie der Mittelpunkt. Er stand dabei oft weit über den Paragraphen des Schulgesetzes. Sein Handeln war vielmehr geprägt von seiner Lebenserfahrung, seiner menschlichen Einstellung, die zahlreichen Schülern in einer schwierigen Lage eine Perspektive eröffnete. Die Eltern dankten es ihm.
Nicht nur für Schüler und Eltern, auch für uns Kollegen stand seine Tür zum Rektorat immer offen – schon sichtbar an der baulichen Nähe von Lehrerzimmer und Rektorat, die er sich gewünscht hatte. Er war stets zum Gespräch bereit. Neben schulischen Fragen half er auch bei persönlichen Anliegen in manch tiefgehendem Gespräch weiter. In Diskussionen über Erziehung, Religion, Politik, Bildung und Gesellschaft zeigten sich sein tolerantes und liberales Gedankengut und seine Achtung vor den Mitmenschen. Er hatte stets seine differenzierte und persönliche Sichtweise. Das haben wir an ihm geschätzt.
Geselligkeit war für Rainer kein Fremdwort. Er liebte es, in kollegialer Runde Witze zu erzählen - mit Scharm, knitzen Augen und hintersinniger Pointe. Sein dichterisches Talent erfreute mit humorvollen Reimen bei verschiedenen privaten Anlässen das Kollegium. Und ganz der Musiker setzte er sich bei einer Reise der Schule nach England in einem Pub spontan ans Klavier und spielte schwungvoll auf. Wir haben es genossen.
Er ließ uns Kollegen mit Ruhe und Gelassenheit einen großen pädagogischen Freiraum und unterstützte neue Ideen. Bei kollegialem Leitungsstil forderte und gewährte er Eigenverantwortung. Für die Kollegen war er nicht nur der Vorgesetzte, vielmehr ein Freund – für die Jüngeren ein väterlicher Freund. Ein gutes kollegiales Verhältnis untereinander war ihm eine Herzensangelegenheit. Die gute Arbeitsatmosphäre spürten auch Schüler und Eltern in einem guten Schulklima. Zwangsläufig gab es im Kollegium kaum einen Wechsel. Wir alle waren aufrichtig froh, an seiner Schule unterrichten zu können. Mancher sagte mit Sympathie und Respekt einfach „Chef“ zu ihm. Als Freigeist dem Schulamt gegenüber hat er manch weniger durchdachte Neuerung dosiert umgesetzt. Die Kolleginnen und Kollegen freuten sich, dass er und Esther auch seit seinem Ruhestand 1993 zu geselligen Treffen kamen und großes Interesse am schulischen Leben zeigten.
Als geschäftsführender Schulleiter hat er viele Jahre lang die Interessen der Eislinger Schulen vertreten. Dabei war ihm das gute Miteinander der Schulen zum Wohle der Kinder und Jugendlichen unserer Stadt ein besonderes Anliegen. Sein gutes Verhältnis zum Gemeinderat und seine guten Kontakte zur Stadtverwaltung waren für die Schulen sehr hilfreich. Er hat auch ein solides Fundament für das gute Verhältnis der Schulleitungen gelegt, was heute noch Bestand hat.
Wenn wir an Rainer Weiler denken, denken wir nicht nur an den Lehrer und Schulleiter, wir denken an ihn vor allem als Menschen und Persönlichkeit mit umfassender Bildung, die eng verwurzelt war in seinem Glauben, mit seinem geschichtlichen Bewusstsein, mit seinen Erlebnissen und Erfahrungen beim CVJM. Seine Persönlichkeit, seine geistige Haltung und seine Menschlichkeit haben unsere Schule geprägt. Sie sind noch heute in der Schule zu spüren. Er aber wird uns fehlen.
Liebe Esther,
wir wissen, dass der heutige Abschied von deinem geliebten Rainer dich sehr schmerzt. Im Namen der Dr.-Engel-Realschule und der Eislinger Schulen möchte ich dir, deinen Kindern und allen Angehörigen unsere aufrichtige Anteilnahme und unser Mitgefühl aussprechen. Als Zeichen der Anerkennung seines Wirkens und Schaffens gelten die Kränze des Regierungspräsidiums Stuttgart, der Eislinger Schulen sowie unserer Schule.
Wir danken Rainer Weiler für viele gute Jahre an der Schule. Wir werden ihn in der Dr.-Engel-Realschule nicht vergessen. Er möge in Frieden ruhen.
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