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Erste gemeinsame 24-Stunden

Übung der Eislinger Jugendfeuerwehr und der Jugendsanitätsgruppe Böhmenkirch

19.3.2010 - Andrea Maier

21 Einsätze in 24 Stunden – 32 Jugendliche der Jugendfeuerwehr Eislingen und der Jugendsanitätsgruppe Böhmenkirch plus 18 Ausbildenden und Jugendleiterinnen erlebten miteinander eine Übung der besonderen Art.

EISLINGEN. Hmm, Maultaschen in Tomatensoße. An langen Tischreihen lassen sich an die 50 Jugendliche und Erwachsene das Mittagessen in der Eislinger Feuerwache schmecken. Geredet wird kaum, alle sind hundemüde - die meisten seit fast 30 Stunden ohne Schlaf. Alarm schrillt. „Was! Jetzt beim Essen?“ Katja Binder stellt ihren Teller zur Seite und nickt „Wie im echten Leben – auf geht’s.“ Die Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren haben ruckzuck ihre Schutzkleidung mitsamt Stiefeln an. Hurtig klettern sie in die Einsatzfahrzeuge. Wenige Minuten später stehen sie im Hof der Firma Kaliko. Aus einem Fenster der zweiten Etage droht eine Frau zu springen. Sie lässt sich auch vom hinaufgeeilten Notarzt nicht beruhigen. 16 Kids müssen immer wieder ermuntert werden, das große Sprungtuch straff zu halten. „Ist doch ne Übung“, kichert jemand leise. Als die 8-kg- Puppe aus dem Fenster fliegt, ist der Schreck nicht zu verbergen. Sekunden später liegt einer der Mimen anstelle der Attrappe im Sprungtuch und wimmert. Während einige Rotkreuz-Jugendliche einen perfekten Body-Check durchführen und dafür sorgen, dass die Verletzte gut versorgt in die Klink gebracht wird, lassen andere Druckluft in das Sprungpolster rasen. Atemlos sehen die Jugendlichen, wie das rettende Polster einen echten Menschen auffängt. O.k., es ist inszeniert und gespielt, aber ganz schön was los! Die Kids und ihre Betreuer haben zu diesem Zeitpunkt bereits 17 mal realitätsnahen Alarm gehabt – und klasse gemeistert.
Kaum hatten die 21 Eislinger Jugendfeuerwehrler und die 11 Jugendsanitäter aus Böhmenkirch die Eislinger Wache am Freitag um 15 Uhr besichtigt, die Fahrzeuge übernommen und ihre Feldbetten aufgebaut, da schallte schon der erste Alarm: Während die Feuerwehrkids einen Brand zu löschen hatten, rasten die Jungsanis mit Notarzt und Rettungsfahrzeug zu einer bewusstlosen Frau. „Super gelaufen“, freuten sich die Jugendlichen später und übten in der Wache gemeinsam Abseiltechniken. Zack jagte schon wieder der Alarm los: ein vom Rad gestürztes Kind. Die Sanis flitzten los und kaum waren sie ausgerückt, schrillte die Glocke für die Feuerwehrjugend: Au Backe, Wohnungsbrand mit sechs Verletzten.
Schon ein bisschen schlapp saßen alle beim Abendessen zusammen. 19:48 Uhr, „LKW brennt“ – ausrücken. Wieder in der Wache zurück erklärten die Jugendsanitäter einiges über Herz und Kreislauf. Bis wieder ein Notruf alle zu den Fahrzeugen jagte: „Brand in einem Holzschuppen“. Kaum zurück, mussten die Rotkreuzler wieder raus, jemand war eine steile Treppe hinunter gestürzt. Kurz vor 23 Uhr dann ein Fehlalarm. Dann ab ins Bett. Von wegen! Es gab viel zu viel zu quasseln und Filme noch dazu. Schlaf wäre eh nicht lang möglich gewesen, denn schon bald musste eine Ölspur gereinigt, ein Küchenbrand gelöscht und Verletzte in Sicherheit gebracht werden. Kurz vor 3 Uhr morgens forderte ein Herzinfarkt-Patient alle Konzentration. Kurz nach vier dann der absolute Hammer: eine vermisste Person. Also alle raus in die matschige Kälte: Nachtwanderung mit Wärmebildkamera und einer sagenhaften Leistung durch eine Mimin der Fachgruppe für Notfalldarstellung (Mim-Truppe). Und noch mal mussten die Kids raus, bevor es endlich Frühstück gab. Das war noch nicht ganz heruntergeschluckt, rief schon ein Waldarbeiter um Hilfe.
Sonntagmorgen - mal ganz anders.
Die gemeinsame Atemschutz-Übung wurde jäh unterbrochen: „abgetrennte Hand an Kreissäge“, autsch. Tja, und dann war da diese Katze, die nicht mehr vom Baum herunter kam. Vermutlich können sich die Jugendlichen die teils irrsinnig erscheinenden Geschichten noch in zehn Jahren kichernd erzählen, aber was Jugendfeuerwehrwart Markus Gneiting sich an Lern-Einsätzen ausgedacht hat, kommt dem Alltag von Rettungsleuten sehr nah.

Ganz so viel wie an diesem Wochenende gibt es „in echt“ nicht zu tun. „Fünf bis sechs Einsätze in 24 Stunden sind normal“, erklärt Katja Binder. Aber schließlich wollten sie und die anderen Jugendleiterinnen, Ausbildende, Fahrer und Helfer den Mädels und Jungs „ne Menge action und viel zu lernen“ bieten.
Auch der Pate der Jugendsani-Gruppe Böhmenkirch, Matthias Fink, ist rundum begeistert. Er war vor Ort und hat das Tun seiner „Patenkinder“ beobachtet. „Solche Übungen bleiben bei allen im Gedächtnis, was sie hier lernen, vergessen sie nicht mehr!“ Das gilt übrigens auch für die hauptamtlichen Mitarbeiter des Rettungsdienstes, Hannah Roder, Tobias Hirning und Sven Feiner, die ihr freies Wochenende für diese Erlebnis-Übung geopfert haben und ebenso ehrenamtlich wie die Kollegen Christian Striso und Alexander Schmidt dazu beigetragen haben, dass so ein klasse Sache überhaupt machbar ist.
„Besser hätte es nicht laufen können“, freuen sich die Verantwortlichen. „Im Herbst gibt’s wieder eine gemeinsame 24-Stunden-Übung für Feuerwehr und Jugendsanitäter.“ Für Jugendleiterin Katja Binder und ihre Kollegen ist von unschätzbarem Wert, „dass die Jungen hier lernen, was im Ernstfall unverzichtbar ist: Nur gemeinsam können wir wirklich gute, sinnvolle Hilfe leisten.“

 

 

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