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AWO-Aktive in der Murr-Metropole

Ein origineller Ausflug nach Backnang als Dank für Helferinnen und Helfer

30.9.2007 - Harald Kraus

Der AWO-Ortsverein hat sich bei seinen zahlreichen aktiven Helferinnen und Helfern am vergangenen Samstag mit einem Ausflug in die Murr-Metropole Backnang bedankt. Im Mittelpunkt der Exkursion stand eine Stadtführung durch die „baden-württembergischste Stadt“ im Ländle, wobei diese ihre besondere Note durch die musikalische Begleitung des Spielmanns Albrecht in Kostüm und mit Instrumenten aus dem 13. Jahrhundert erhielt. Zuvor war die Techniksammlung mit Exponaten der früher in Backnang ansässigen Firmen Kälble, Adolph und Kaess besichtigt worden. AWO-Vorsitzender Harald Kraus revanchierte sich auf diese Weise bei seinem aktiven Team für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr.

Man konnte meinen, dass die AWO besonders gute Beziehungen zu Petrus pflegt, denn den ganzen Tag über herrschte herrlicher Sonnenschein und angenehme Temperatur. Die Organisatoren des Programms für die Eislinger AWO, der Gastwirt Albert Dietz und die Stadtführerin Gisela Weigle, begrüßten die Neugierigen aus dem Filstal auf dem Backnanger S-Bahnhof und kündigten einen erlebnisreichen Tag an. Das Versprechen wurde gleich eingelöst, denn bereits die erste Station, die Technik-sammlung in einer alten Fabrikhalle, zog die große Aufmerksamkeit der AWO-Gruppe auf sich.

Zeugnisse aus der Industrie- und Handwerksgeschichte werden in einer ehemaligen Produktionshalle der früheren Firma Kälble, jahrzehntelang einer der prominentesten Hersteller von Straßenbaufahrzeugen, präsentiert. Die ausgestellten Exponate vermittelten einen guten Eindruck vom Straßenmaschinenbau der vergangenen Jahrzehnte, aber auch von der Vergangenheit Backnangs als wichtiger Gerber- und Spinnerei-Standort. Als ein riesiger Motor, der einen Stromgenerator angetrieben hat, eine alte Straßenwalze und ein historische Holzsäge angeworfen wurden und ihre unverwechselbaren Geräusche und einen kräftigen Diesel-Gestank von sich gaben, war die Überraschung komplett, weckte aber auch Erinnerungen an einschlägige Erlebnisse der Älteren in der Gruppe, so zum Beispiel an den alten Sägewerker, der mit einem altertümlichen Gerät in Eislingen damals von Haus zu Haus fuhr und das Holz sägte und spaltete.

Die Stadtführerin Gisela Weigle verstand es ausgezeichnet, die interessante Geschichte Backnangs nachvollziehbar zu machen und wurde dabei von dem Spielmann Albrecht, der in der Tracht und mit Musikinstrumenten, wie sie vor 500 Jahren üblich waren, auftrat, unterstützt und gab an den einzelnen Stationen historische Lieder zum Besten. So erlebte die AWO-Gruppe eine ungewöhnliche und kurzweilige Stadtführung, die nicht nur von der Epoche, als Backnang badische Residenz mitten im Württembergischen war, erzählte, sondern auch an den berühmten Gänsekrieg erinnerte, bei dem die Backnanger Frauen mit großer Entschlossenheit von ihrem Landesherrn die Genehmigung ertrotzten, weiterhin Gänse züchten und halten zu dürfen.

Der Rundgang durch die Murr-Metropole führte zum neu gestalteten Stiftshof, zum historischen Rathaus und dem charakteristischen Marktplatz, zum Stadtturm, dem Bandhaus und der Stiftskirche St. Pancratius, in der sich die Krypta der badischen Landesherren befindet. Das ehemalige herzogliche Schloss, von dem allerdings nur ein Flügel fertig gestellt wurde, so erfuhr die AWO-Gruppe von Gisela Weigle, wurde von Heinrich Schickardt errichtet, bei einem Stadtbrand schwer beschädigt, später als Fruchtkasten genutzt und ist heutige Heimstatt des Backnanger Amtsgerichts. Um den Stiftsbrunnen bildeten sich mehrere Legenden, die Gisela Weigle in gekonnter Weise zusammenfasste.

Backnang hatte bis ins 20. Jahrhundert hinein einen besonders guten Ruf als „süddeutsche Gerberstadt“. Die Erläuterungen von Gisela Weigle galten den früher das Stadtbild und das Murr-Ufer prägenden Gerbereibetrieben, der Historie der Bleichwiese und der Produktions- und Arbeitsweise der Gerberbranche. Die Wirkungsstätte des letzten Backnanger Schmieds Eugen Kübler wurde auch besucht und dessen damaliger Arbeitsplatz mit einer bemerkenswerten historischen Werkzeugsammlung in Augenschein genommen.

Der Stadtturm bot den aktiven Treppensteigern eine phantastische Aussicht auf die alte Reichsstadt Backnang, die aufgrund einer Eheschließung zwei Jahrhunderte lang zum Herzogtum Baden gehörte, bevor sie durch eine erneute Heirat zwischen den Herrschergeschlechtern wieder zu Württemberg gelangte.

„Alles in allem haben wir wieder einen interessanten und wissenswerten Ausflug erlebt“, sagte der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Hans-Ulrich Weidmann. Der Heimweg führte mit der S-Bahn nach Bad Cannstatt, wo sich die AWO-Gruppe durch die Menschenmassen, die zum Cannstatter Volksfest strebten, kämpfen musste, um zum Regionalexpress, der sie wieder nach Eislingen brachte, zu gelangen. Die Verabredung auf dem Eislinger Bahnhof lautete: „Am Mittwoch sehen wir uns bei der 2. Eislinger Bratenzeit in der Stadthalle wieder“.

Hier gib es weitere Informationen zu diesem Artikel:

http://www.awo-eislingen.de

 

 

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