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Weber: „Ein Verbund wäre auch für den Stauferkreis attraktiv“

Witgar Weber war 1998 der erste Referent beim Roten Treff

08.12.2007 - Harald Kraus

 

Der Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS), Dr. Witgar Weber, machte beim „Roten Treff“ den Eislinger Sozialdemokraten sozusagen den Mund wässerig, in dem er die fast 30-jährige Entwicklung des VVS als eine Erfolgsgeschichte beschrieb und eine in Zukunft denkbare Mitgliedschaft des Stauferkreises im Nahverkehrsnetz des Großraumes Stuttgart als eine attraktive Möglichkeit darstellte. Zunächst müsse aber die Machbarkeitsstudie für eine Verlängerung der S-Bahn bis Göppingen/Geislingen abgewartet werden, um eine vernünftige Entscheidungsgrundlage zu gewinnen.

Dr. Witgar Weber gab einen kompakten Überblick über die Geschichte des Stuttgarter Verkehrsverbundes, der die gesamte Region Stuttgart, allerdings mit Ausnahme des Kreises Göppingen, umfasse und täglich mit den verschiedenen Verkehrsmitteln des ÖNPV rund 1 Million Einzelfahrten schnell und preiswert bewältige. „Rein rechnerisch fahren die Fahrgäste mit dem VVS täglich sechs mal um die Welt“, machte Dr. Weber die Dimension der Verkehrsleistung deutlich. Die Idee des VVS sei bereits im Jahre 1968 geboren und zum 1. Oktober 1978 realisiert worden. Das Prinzip „1 Fahrschein – 1 Preis – 1 Fahrplan“ habe sich bewährt, so Weber.

Das S-Bahn-Netz in der Region Stuttgart wird in den nächsten Jahren um die Strecke von Plochingen nach Kirchheim/Teck, die Verbindung von Böblingen über Sindelfingen nach Renningen (S 60) und die Strecke von Marbach nach Backnang (S4)erweitert. Weber vermutete, dass eine Realisierung einer S-Bahn in den Stauferkreis frühestens erst nach der Fertigstellung des Bahnhofs- und Schnellbahnprojekts „Stuttgart 21“ in die Tat umgesetzt werden könnte. Dafür seien vergleichsweise geringe Investitionskosten anzunehmen, da im Prinzip die erforderliche Schieneninfrastruktur bereits vorhanden sei. Eine Tarifintegration wäre auch früher machbar.

„Am Stuttgarter Verkehrsverbund sind gegenwärtig 40 Verkehrsunternehmen beteiligt“, sagte Dr. Weber und erläuterte, dass die Einnahmen nach einem komplexen System an die einzelnen Verkehrsträger verteilt würden. Der VVS nehme etwa 60 Prozent der tatsächlichen Kosten ein, die Differenz werde durch Ausgleichsleistungen der Öffentlichen Hand aufgebracht.

Der VVS rechnet damit, dass das Jahr 2007 mit einem Fahrgastvolumen von 340 Millionen Fahrgästen abschließen wird. Die am VVS beteiligten Kreise und Gemeinden bringen pro Einwohner und Jahr etwa 50 Euro auf, in Stuttgart liege der Aufwand eher beim Doppelten. „Das ist verglichen mit der Bezuschussung für Kultureinrichtungen deutlich weniger“, stellte der VVS-Geschäftsführer fest.

Weber erläuterte die Tarifstruktur des VVS und wies darauf hin, dass für Behinderte, Studenten, Schüler und Senioren erhebliche Rabatte gewährt würden, ebenso für die Firmenticket-Kunden. Großen Anklang habe das sogenannte „9 Uhr-Umwelt-Ticket“ gefunden, das Fahrten im Verbund ab 9 Uhr bis Betriebsschluss zu erheblich reduzierten Preisen ermögliche. Dr. Weber hob ferner hervor, dass das im Zusammenhang mit Großveranstaltungen, wie zum Beispiel Messen, Konzerten oder Fußballspielen im Daimler-Stadion eingeführte Kombiticket sehr gut eingeschlagen habe. Etwa 60 Prozent der Fußballfans würden mit dem ÖNPV zum Stadion fahren. „Wir arbeiten an einem erweiterten Kombi-Ticket, das künftig alle Großveranstaltungen im sogenannten Neckar-Park erfassen soll“, führte Weber weiter aus.

Besonders stolz zeigte sich Weber über den Erfolg der elektronischen Fahrplanauskunft, die der VVS bald 20 Jahren anbiete. In diesem Jahr würden rund 10 Millionen Besucher auf der Internet-Seite erwartet.

„Nach alledem müsste auch der Kreis Göppingen an einer weiteren Einbeziehung in den VVS interessiert sein“, meinte Weber, wenngleich er die damit verbundenen Probleme nicht ignorieren wollte. Es sei klar, dass das Angebot an Nahverkehrsleistungen und günstigen Tarifen im Kreis Göppingen nur schrittweise an das Niveau in der Region herangeführt werden könne. „Daran muss aber weiterhin intensiv gearbeitet werden“, sagte Weber und bedauerte, dass es für den Stauferkreis zwar gemeinsame Tarifangebote, aber noch kein Ticket gebe, das die Bahn einschließe. Wünschenswert sei auch, dass die Verkehrsgemeinschaft Stauferkreis das Baden-Württemberg-Ticket auf seinen Linien anerkenne.

„Nicht nur als Geschäftsführer des VVS, sondern auch als Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs bin ich überzeugt davon, dass „Stuttgart 21“ eine erhebliche Verbesserung der Nahverkehrsleistungen mit sich bringen und sich als Zukunftsinvestition für Stuttgart und seine gesamte Region nachhaltig lohnen wird“, bekannte sich Weber uneingeschränkt zu dem Projekt.

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Hartmut Komm erinnerte daran, dass Weber beim ersten Roten Treff der Sozialdemokraten im Jahr 1998 als Referent anwesend gewesen sei. Seine Stellvertreterin Dr. Heide Kottmann kündigte eine weitere Veranstaltung von AfA und ASF zum Thema Bahnprivatisierung an, die am 30. Januar den Auftakt zur politischen Arbeit im Jahr 2008 bilden werde.

 

 

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