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Herausragende geistliche Abendmusik zu Heinrich von Herzogenberg

Konrad Klek, Lydia Zborschil und Andreas Berge zu Gast in der Christuskirche

09.6.2018 - Christuskirche

Eine herausragend geistliche Abendmusik fand am vergangenen Samstag in der Christuskirche statt. Nach der Begrüßung der ausführenden Künstler durch Pfarrer Frieder Dehlinger führte Professor Konrad Klek von der Universität Erlangen durch einen kurzen Vortrag zum Programm des Abends hin. (Er war schon mehrfach in der Christuskirche zu Gast, zuletzt im Jahre 2017 bei einem besonderen Gottesdienst zum 500. Reformations-Gedenkjahr).

Gleich anfangs erklangt die Ouverture (opus 150/6) für Violine und Orgel des sehr bekannten Meisters der Hochromantik Josef Rheinberger (1839-1901), meisterlich dargestellt durch die beiden Künstler Konrad Klek und Andreas Berge (Bad Mergentheim). Hier – wie auch im vorletzten Beitrag „Abendlied“ (opus 150/2) - konnte der aufmerksame Zuhörer die Struktur- und Klangvielfalt dieser beiden Musikgattungen wahrnehmen.

Nun aber kamen eben genannte Künstler in Verbindung mit der Stuttgarter Solo-Sopranistin Lydia Zborschil zum „Haupt“-Komponisten der geistlichen Abendmusik: Heinrich von Herzogenberg (10.06.1839 - 9.10.1900), eher ein Außenseiter in der Reihe der bedeutenden Romantik-Komponisten. Heuer gedenkt man seines 175. Geburtstages. In großartiger Weise ist es Konrad Klek – er ist Präsident der Internationalen H. von Herzogenberg-Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz – gelungen, die Werkvielfalt des Von-Herzogenberg’schen Oeuvres dem Publikum näherzubringen:
Einerseits in den Werken op. 89,1 bis 3 mit den jeweils besinnlichen Texten „Komm, Trost der Welt, zu stille Nacht“ (Joseph von Eichendorff) sowie „Herr, schicke, was du willt“ (Eduard Mörike) sowie „Der du von dem Himmel bist“ (bzw. „“Wanderers Nachtlied“) im Text von Johann Wolfgang von Goethe.
Andererseits die Choralbearbeitungen aus Opus 67, z.B. „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ und „Meinen Jesum laß‘ ich nicht“. In passender Ausgewogenheit wählte K. Klek wohlklingende Register der spätromantischen Link-Mühleisen-Orgel. Auch in den Begleitungen der Solosopranpartien wie auch Violin-Solostücken war Konrad Klek ein Meister der behutsamen Anpassung. Besonders die von-Herzogenberg’sche- dreisätzige Orgel-Choralphantasie über „Nun danket alle Gott“ (opus 46 aus dem Jahr 1884) mit den Satzbezeichnungen „Adagio“, „Pastorale/Lento“ sowie „Allegro“ wurde von Konrad Klek meisterhaft und angemessen dargeboten.
Bemerkenswert war, dass Professor Klek zwischen den Sätzen zwei anrührend gesangliche Arioso-Vertonungen der Psalmen 107/9 und 195/12-14 aus dem von Herzogenberg’schen Oratorium „Erntefeier“ eingeschoben hat. Hier überzeugte die Künstlerin Lydia Zborschil mit ihrer leuchtend-klaren Sopran-Stimme voll und ganz.
So auch im dramaturgisch ungewohnten Tongemälde des Jubiläums-Komponisten „Die Flucht der Heiligen Familie (nach Ägyptenland)“ (opus 89/3 im nachdenkenswerten Gegenwartsbezug – Text von Joseph von Eichendorff).
Ebenso überzeugten Andreas Berge und Konrad Klek mit ihren jeweiligen Instrumenten in der Rheinberg’schen Komposition (opus 150/2) „Abendlied“.
Volkmar Fritsche (geb. 1936), der mit seiner Ehefrau bei der geistlichen Abendmusik anwesend war, komponierte u.a. zwei Musiken, die am Konzertabend erklangen:
Einerseits das Psalmkonzert (Psalm 94) „Ich hatte viel Bekümmernisse in meinem Herzen (Uraufführung 2015 in der Hochschule für Kirchenmusik Dresden) und andererseits die anrührende Vertonung des Paul-Gerhardt’schen Textes „Wo bist du Sonne blieben“ (Uraufführung 2012 in St. Petri zu Hamburg).
An dieser Stelle kann man allen musikalisch Aktiven ein ausgezeichnetes Miteinander in allen komplexen Klangabläufen testieren, sei es im Klangraum der Romantik und der zeitgenössischen Musik, die ja von Gegensätzen lebt.
Mit herzlichem Beifall bedachte das Publik die herausragende Leistung des Künstlertrios und dankte für eine vielseitige, sehr ansprechende Abendmusik.
(Eckhart Naumann)

 

 

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Eislingen

Andreas Berge, Lydia Zborschil, Konrad Klek


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