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efa 20 Jahre: Defiliermarsch im Roten Rock zum Roten Kleid

Eislinger Frauenaktion eröffnet Jubiläum mit einer Inszenierung am Kreisverkehr

02.3.2015 - Hans-Ulrich Weidmann

Mit einer Inszenierung bei Sekt und Torte am Kreisel 'Die Wegweiserin' hat efa - Eislinger Frauen Aktion- die Feierlichkeiten zum zwanzigjährigen Bestehen gestartet. efa- Frauen, mit rotem Kleidungsstücken oder Accessoires ausgestattet, fanden sich am Samstag bei strahlenden Frühlingswetter zum Gruppenbild unter dem Roten Kleid am Kreisverkehr in Eislingen ein. Extra zum Fototermin war auch die Schöpferin des Kunstwerks, Anja Luithle, angereist.
Nach dem Fototermin schlossen sich Begrüßungsworte der Vorsitzenden Monika Jirouschek, der Eislinger Schriftstellerin Tina Stroheker, sowie ein Grußwort von Oberbürgermeister Klaus Heininger an.

Hier unser Videobericht von dem Fototermin:

efa Eislinger Frauenaktion Roter Rock bei YouTube

Hier die Rede von Tina Stroheker im Wortlaut:


„Die Wegweiserin“ und wir.
Zum Auftakt des efa-Jubiläumsjahres, Samstag, 28. Februar 2015
___________________________________________________________________
Liebe Freundinnen und Freunde von efa,
liebe Anja Luithle,
liebe efas!

Wir sind unterwegs. Wir können gar nicht anders. Wir wissen, daß ein Weg erst dann unser Weg werden kann, wenn wir uns aufmachen und Fuß vor Fuß setzen. Unterwegs sind wir. Nicht unbedingt fühlen wir uns dabei immer sicher. Nicht immer haben wir es so gut wie die AutofahrerInnen auf einem Kreisverkehr: Sie können, zögernd, was der rechte Weg sei, einfach noch einmal eine Runde drehen und dann die richtige Ausfahrt wählen. Bei Lebensentscheidungen geht das nicht so leicht; Unterwegssein ist nichts für Memmen. Und selbst, wenn ein Satz, den Anja Luithles Kollegin Meret Oppenheim 1954 in ihr Tagebuch geschrieben hat, der Satz „So, jetzt rein in die Hosen – und nicht nach rechts und links geschaut“, hinreißend schwungvoll ist: Nüchtern betrachtet, empfiehlt es sich schon, den Kopf hier- und dorthin zu wenden und nicht nur in eine Richtung zu starren. Das Leben erlaubt uns solch steife Haltung sowieso nicht. Und Anja Luithles „Wegweiserin“ ist ja auch be-weg-lich.

Wir sind unterwegs, und „WegweiserInnen“ können dabei helfen. (Ich schreibe das –I- des Endungspartikels groß, denn natürlich können dies auch Männer sein. Doch zum Auftakt des efa-Jubiläumsjahres beschränke mich jetzt auf weibliche Wegweiserinnen.) Nicht immer schweben sie über unseren Köpfen wie die hiesige, nicht immer tragen sie ein beschwingtes und beschwingendes Kleid, aber Anjas „Wegweiserin“ soll ja auch von allen, die vorbeikommen, gut gesehen werden! Oft befinden sich Wegweiserinnen – oder: Vorbilder, Anregerinnen, Ermutigerinnen – ganz in unserer Nähe; wir müssen sie nur wahrnehmen. Und wenn wir den passenden begegnen, merken wir, daß sie uns nicht einen Weg anweisen oder vorschreiben, sie sagen eher: Es ist so lebens- und kraftvoll wie das Rot dieses Kunstwerks, es ist so schön wie dies schöne Kleid, in Bewegung zu sein. Sie verweisen auf eine Haltung: Hab’ keine Angst, und wenn, dann laß dir von ihr helfen! Sie sagen, wieder in Worten Meret Oppenheims: „Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muß sie sich nehmen.“

Viele können Wegweiserinnen sein: Mütter und Großmütter, Töchter und Freundinnen, aber auch uns persönlich Unbekannte, die Frauengeschichte geprägt haben und prägen. Eine Philosophin wie Simone de Beauvoir. Eine mutige Caritas-Schwester wie Emilie Eisele. Ein Multitalent wie die Äbtissin Hildegard von Bingen. Eine Königin wie Olga von Württemberg, die sich um soziale Einrichtungen und Bildung für Frauen kümmerte. Eine Professorin für Erziehungswissenschaft, die in die Politik ging und auf ihrem ‚Marsch durch die Institutionen’ für Frauenrechte kämpft – wie Rita Süssmuth. Forscherinnen wie die Chemikerin Marie Curie oder die Biologin Christiane Nüsslein-Volhard. Eine Studentin wie Sophie Scholl, die ihr Leben aufrecht erfüllen wollte. Eine Juristin wie die ‚Mutter des Grundgesetzes’, Elisabeth Selbert. Eine Fotografin wie die Südafrikanerin Zanele Muholi, die unerschrocken die Verletzlichkeit und das Selbstbewußtsein ihrer lesbischen Schwestern dokumentiert. Eine innovative Unternehmerin wie Margarethe Steiff. Schriftstellerinnen wie Christa Wolf oder Alice Walker. Und viele andere noch! Ob sie im Habit der Nonne daherkommen oder in der Abendrobe, im zurückhaltenden Kostüm oder in Sweatshirt, Jeans und Baseballkappe oder im Malkittel – sie sind Schwestern der Frau im Roten Kleid.

Manchmal sagt jemand: „Die Figur hat ja gar keinen Kopf!“ Aber genau genommen ist sie ja überhaupt nur ein Kleid, Hülle ohne Körper. Nachdem allzu lang eine patriarchalische Kunst gerne Frauen ohne Kleider darstellte, zeigt Anja Luithle jetzt ein Kleid ohne Frau. Das sollte uns nicht irritieren, im Gegenteil: Das Kleid repräsentiert die Frau, und wenn sie möchte, kann jede von uns zu Anjas Arbeit im Geist ihren Körper ‚beisteuern’. Meret Oppenheims Zitat würde dann lauten: „So, jetzt rein ins Rote Kleid – und beschwingt nach vorn geschaut“. (Sieht man’s nicht?! Wir haben damit begonnen! Und wer als Mann einmal hineinschlüpfen mag, kann das auch – Perspektivwechsel liebt eine Wegweiserin allemal!)

Also, machen wir uns auf! Mit Kopf und Herz und allen Gliedmaßen, wissend, daß es keine einfachen, sicheren Wege gibt, und daß für ein Menschenleben der Weg das Ziel ist. Der je eigene Weg. Gloria Gaynor sang: “I am what I am - I am my own special creation.” In der Auseinandersetzung mit unseren und den Erfahrungen anderer Menschen können wir unsere eigene Wegweiserin werden.

Dies ist der tiefste Sinn des Schlagwortes „Emanzipation“. Eine lebenslange Aufgabe.

In diesem Sinne sind wir heute hierher gekommen, in einer Zeit, wo der gesamtgesellschaftliche Weg wahrlich schwierig ist. Mögen uns Mut, Zuversicht, Ideen und gute WegweiserInnen nicht fehlen!

Ich wünsche efa und uns allen ein lebendiges, schwungvolles Jubiläumsjahr!





 

 

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